| Jeder ist sich selbst der Nächste -
Alles in Butter am FB 03? |
Zentrales Seminarplatzvergabeverfahren
abgeschafft
In letzter Zeit wird ja wieder viel von Entdemokratisierung der
Hochschulen und der Einführung von betriebswirtschaftlichen Managementstrukturen
an der Uni diskutiert. Was bedeutet das eigentlich für die Betriebs-
und Volkswirtschaftler?
Einige KommilitonInnen klagen ja stets über zu langsame, ineffiziente Entscheidungsstrukturen hier an der Uni und sind einer hierarchischen Umstrukturierung nicht unbedingt abgeneigt. Doch hinter der sonnigen Fassade von moderner Flexibilität verstecken sich so manche Tücken.
LSD will diese aufzeigen und begründen, warum eine demokratische Entscheidungsfindung auch und gerade hier am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften wichtig ist.
Ein Beispiel hierfür ist die Abschaffung des zentralen Seminarplatzvergabeverfahrens hier am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften.
Was bedeutet das genau?
Bisher wurde von den Lehrstühlen eine Übersicht über
sämtliche am Fachbereich angebotene Hauptstudiumsseminare erstellt.
Jede/jeder
Studierende hatte nun die Möglichkeit, sich zentral für die Seminare
seiner Wahl anzumelden. Für den Fall, daß ein Seminar von
mehr Studierenden ausgewählt wurde als Plätze vorhanden waren,
wurde gelost. Durch die Möglichkeit, einen Zweitwunsch anzugeben,
konnte somit für alle Bewerber ein zumindest halbwegs passender Seminarplatz
angeboten werden.
Jetzt dezentrales Verfahren
Nun haben die Professoren beschlossen, diese Regelung aufzugeben, um
statt dessen eine dezentrale Anmeldung zu etablieren. Das heißt
für uns Studierende, daß sich jeder am Lehrstuhl seiner Wahl
direkt anmelden muß. Eine Zuweisung zu einem anderen Seminar
ist somit, für den Fall zu vieler Anmeldungen nicht mehr möglich.
Begründet wurde diese Entscheidung damit, daß die AssistentInnen
der Professoren keine Zeit mehr hätten und daß es im letzten
Semester keinen einzigen Fall von Umverteilung zwischen den Seminaren gegeben
hätte. Dies war aber das erste Mal seit vielen Jahren der Fall, so
daß man unserer Meinung nach daraus nicht ableiten kann, das Verfahren
sei überflüssig. Außerdem sind, da einige Lehrstühle
schon letzte Woche Anmeldungen angenommen haben, ein Teil der Seminare
schon voll - vor dem eigentlichen Beginn der Anmeldefrist.
Darüber hinaus wird diese neue Regelung für die Lehrstühle
eher mehr als weniger Arbeit bedeuten, da sich viele Studierende vorsichtshalber
für mehrere Seminare anmelden werden, um die Chancen auf zumindest
einen Platz zu erhöhen.
Neubesetzung von Professuren
Ein weiteres Beispiel ist leider immer noch die Neubesetzung von
Professuren.
Anstatt freie Stellen sofort neu zu besetzen, werden sie aus Kostengründen
zunächst einige Zeit vakant gehalten. Danach werden die zum
Teil schlecht ausgestatteten Stellen nur halbherzig ausgeschrieben, was
dazu führt, daß einige Stellen, wie z.B. die Professur für
Handelsbetriebslehre, seit mehreren Semestern nicht besetzt ist - ein für
eine große Universität wie Hamburg untragbarer Zustand.
Zudem ist zu befürchten, daß solche Stellen mittelfristig
ganz gestrichen werden, getreu dem Motto: "Ging ja bisher auch ohne
sie". Für uns Studierende bedeutet das eine sinkende Auswahl
an Studienfächern und eine noch weiter zunehmende Überfüllung
der Veranstaltungen.
Die Entscheidungen, die zu diesen Situationen geführt haben, sind
in Gremien getroffen worden, in denen die Professoren die absolute Mehrheit
der Stimmen haben. Einwände von seiten der Studierenden wurden
bestenfalls mit einem milden Lächeln quittiert und dann niedergestimmt.