Im Rausch der Tiefe
Oder: Wie weit kann man noch sinken?
Dass die Grüne Hochschulgruppe am liebsten allein im Studierendenparlament sitzen würde, ist nichts Neues. Es ist ja auch gemein, da bekommt man als Liste schon über 40 % der Stimmen und darf trotzdem nicht allein und ungestört AStA-Regierung spielen. Da sitzen doch im Parlament tatsächlich irgendwelche kleinen Gruppen, die wollen vom Grünen AStA Rechenschaft über dessen Tätigkeit haben. Diese kleinen Gruppen wollen tatsächlich wissen, was mit dem jährlich über 1 Million DM AStA-Etat passiert.  Und dann wollen diese kleinen Gruppen im Parlament auch noch über Politik reden. Sie sind sogar so frech, von den Grünen wissen zu wollen, wie diese zu Studiengebühren stehen (das wissen die Grünen nicht so genau) und ob sich der Grüne AStA in die aktuelle Auseinandersetzung um das BAföG einmischt (wusste er noch nichts von, vielleicht).

Die Grüne Hochschulgruppe findet das alles furchtbar gemein und undemokratisch. Und damit sie in Zukunft keiner mehr stört im Parlament, wollten die Grünen gern die Satzung und die Wahlordnung ändern. Das Parlament sollte kleiner werden und mit einer 2,5%-Prozenthürde bei der Wahl sollten die kleinen Listen endlich draußen bleiben. Denn durch eine Prozenthürde kommen in Zukunft nur noch Listen in das Parlament, die einen bekannten Namen und viel Geld für den Wahlkampf haben. Also die Grüne Hochschulgruppe für die Grünen, die Jusos für die SPD, der RCDS für die CDU. Und eigentlich reicht das doch, finden die Grünen. Und total demokratisch finden die Grünen das auch. Kann schließlich keiner mehr stören oder will sogar über Politik reden im Parlament.

Weil aber 40% in einem Parlament noch keine Mehrheit ist und man für die Änderung der Satzung sogar 2/3 der Stimmen braucht, mussten sich die Grünen für ihren Plan noch ein letztes Mal Unterstützung von anderen Gruppen suchen, um in Zukunft ungestört zu sein. Die kleinen Gruppen auf der linken Seite im Parlament möchten auch im nächsten Jahr weiter stören. Die waren also als Unterstützung nicht zu haben. Aber da die Realos und die Liberalen im nächsten Jahr eh nicht mehr antreten wollten und die CDUler und Burschenschaftler mehr Ordnung im Parlament grundsätzlich für das einzig Wichtige halten, haben die Grünen für ihre Pläne dann auf der rechten Seite im Parlament Zustimmung gefunden. Dass die bösen kleinen Gruppen auf der linken Seite ihnen dann vorgeworfen haben, die Grünen würden gemeinsame Sache mit Burschenschaftlern machen, fanden die Grünen dann aber wieder total böse und gemein. Zwar würden sie mit den Burschenschaftlern zusammen die Satzung ändern, aber das würde doch nicht heißen, man mache zusammen mit Burschenschaftlern Politik. So sind sie, die Grünen. Wir als kleine linke Gruppe verstehen sie halt nur nicht richtig. Wer die Grünen auch nicht versteht und wer will, dass auch im nächsten Jahr kleine Gruppen konstruktive linke Oppositionspolitik im Parlament machen, muss im Januar auf dem Wahlzettel zur Studierendenparlamentswahl sein Kreuz nur an der richtigen Stelle machen.
 


Assoziation Marxistischer StudentInnen (AMS)
Liste Sozialistischer DemokratInnen (LSD)
Regenbogen / Alternative Linke Hochschulgruppe


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Stand: 12.12.2000