Bildung für alle... die den richtigen Paß und genug Geld haben

3.278 Studierende an der Uni Hamburg haben nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Was für viele deutsche Studierende selbstverständlich ist, stellt ausländische Studierende oft vor unüberwindbare Hürden.

Ausländische Studierende können in der Regel kein BAföG bekommen. Gleichzeitig wird es ihnen aber fast unmöglich gemacht, neben dem Studium zu arbeiten: Zum Arbeiten in Deutschland benötigen sie eine Arbeitserlaubnis. Frei nach dem Motto „Deutsche Arbeitsplätze für deutsche ArbeitnehmerInnen“ wird diese im Rahmen der sog. Bevorrechtigungsregelung aber nur ausgestellt, wenn für die angebotene Stelle nicht „bevorrechtigte“ ArbeitnehmerInnen, d.h. Deutsche oder EU-Angehörige, zur Verfügung stehen.

Viele ausländische Studierende müssen ihr Studium daher aufgrund ihrer sozialen Lage aufgeben und Deutschland - ohne den angestrebten Abschluß - wieder verlassen.

Die Reaktion von Uni-Präsident Lüthje und grüner Wissenschaftssenatorin Sager: Das International Center for Graduate Studies (ICGS). Im Luxus-Postgraduiertenkolleg für die Elite mit Geld sollen ausländische Studierende, die es sich leisten können, zu „exzellenten“ Studienbedingungen studieren können. Kostenpunkt für die exklusiven „Zusatzleistungen“ wie separates Wohnen im eigenen Wohnkomplex und Intensivsprachkurs: bis zu 1.300 DM monatlich.

Fragt sich nur, wie Studierende aus ärmeren Regionen der Welt diese läppische Summe aufbringen sollen. Bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von rund 130 US-Dollar dürfte es beispielsweise einem Elternpaar aus Äthiopien recht schwer fallen, einen Unterhalt von 1.300 DM monatlich für das Studium ihres Kindes aufzubringen!

Aber egal. Die Uni soll „international attraktiv“ werden, so Uni-Präsident Lüthje und Wissenschaftssenatorin Sager. Komisch nur, daß allein im Sommersemester 1998 rund 1300 Bewerbungen um einen Studienplatz aus dem Ausland eingingen - zugelassen wurden jedoch nur 250 Studierende! Es mangelt der Uni demnach keinesfalls an internationaler Attraktivität. Aus Sicht der Uni und des rot-grünen Senats bewerben sich offenbar nur nicht die richtigen Leute: Leute mit Geld, die - als studierte „EntscheidungsträgerInnen“ in ihre Heimatländer zurückgekehrt - dem „verarmten Standort Deutschland“ zu noch mehr Wohlstand verhelfen sollen.

Wir fordern statt dessen:
 


 [LSD-Home][E-mail][Uni Hamburg]
Stand: 23.12.1998