An dieser Stelle wird das Flugblatt publiziert, das gerade an der Universität Hamburg auf den Mensatischen verteilt wird. Im Archiv finden sich alle vorhergehenden Flugblätter.
Zum letzten Flugblatt:
Was sind „angemessene Luftschläge“?
Einige Überlegungen zum Krieg als prinzipiell unangemessene Handlung
Zur Semesteranfangszeitung für das Wintersemester 2009/2010.
Unser aktuelles gemeinsames Flugblatt mit dem FachschaftsBündnis und harte zeiten:
Zwei ungleiche 9. November: 1918 und 1938.
„Doch bei aller Sympathie, mit der die Studenten rechnen können, und ungeachtet des Reflexes, dass der Ruf nach besserer Bildung immer richtig ist, lohnt es sich, die Ziele der Protestler zu hinterfragen. Dabei wird deutlich: Viele ihrer Forderungen sind Quatsch. Etwa wenn die Studenten gegen eine vermeintliche Ökonomisierung der Universitäten und undemokratische Strukturen an den Hochschulen zu Felde ziehen.“
„Studentenproteste/Zu früh für den Aufstand“, „Financial Times Deutschland“ („FTD“), Leitkommentar vom 17.11.'09, S. 25.
„Über die Gewalt
Der reißende Strom wird gewalttätig genannt
Aber das Flußbett, das ihn einengt
Nennt keiner gewalttätig.
Der Sturm, der die Birken biegt
Gilt für gewalttätig
Aber wie ist es mit dem Sturm
Der die Rücken der Straßenarbeiter biegt?“Bertolt Brecht, „Me-ti/Buch der Wendungen“, entstanden in den 1930er Jahren des Exils.
Die Sattsamkeit von Kommentatoren ist bisweilen erstaunlich und weit entfernt von der Realität.
Strukturelle Gewalt: Die Unterfinanzierung der Hochschulen, die zu verdichteter Mehrarbeit zwingt und die Einwerbung von Industriemitteln nahelegt; Studiengebühren, die soziale Barrieren setzen und das Kaufverhältnis konstituieren sollen; die Entfernung von Mitbestimmungsgremien, die Aufwertung von Präsidium und Dekanaten, das Aufsetzen eines hoheitlichen Hochschulrates â also eine Kommandokultur wie in wirtschaftlichen Betrieben; das bulimische (heftiges Essen und Erbrechen) „Lernen“ im Ba-/Ma-System; die Höhergewichtung der Forschung gegenüber der Lehre; die Besserstellung der Natur- zu Ungunsten der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften; schließlich eine akademische Alltagskultur, in der die Ellenbogen das bedacht freundliche Wort ersetzen sollen â das alles zusammen oder nur im einzelnen als (häßliche) Ökonomisierung und undemokratisch zu bezeichnen respektive zu kritisieren, ist alles andere als „Quatsch“.
Die Proteste der Studierenden richten sich gegen Studiengebühren, die schnürenden Ba-/Ma-Studiengänge, die mangelhaften Mitbestimmungsmöglichkeiten, die dürftige Finanzierung der Hochschulen, die zunehmende Ausbildungsorientierung der (vermeintlich) wissenschaftlichen Ausbildung, das alltägliche Konkurrenzverhalten im Studium und gegen den ökonomischen Verwertungszweck von Forschung, Lehre und Studium.
Die positive Orientierung besteht dagegen in der Solidarität.
Für eine bedarfsgerechte öffentliche Hochschul- und Studienfinanzierung; die Ausweitung akademischer Mitbestimmung; kooperatives und interdisziplinäres Lernen; die Einheit von Forschung, Lehre, Studium und demokratischer Teilhabe; für die gesellschaftlich verantwortliche Relevanz der Wissenschaften und eine kooperative Kultur der Lernprozesse bzw. die Entwicklung mündiger Menschen.
Auch das ist alles kein „Quatsch“, sondern notwendig für die positive Entfaltung der Wissenschaften und ihrer Subjekte sowie die Kultivierung der Gesellschaft.
Insofern ist es nie zu früh für den „Aufstand“.
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