Das aktuelle Flugblatt

An dieser Stelle wird das Flugblatt publiziert, das gerade an der Universität Hamburg auf den Mensatischen verteilt wird. Im Archiv finden sich alle vorhergehenden Flugblätter.

Zum letzten Flugblatt: Soziale Demokratie. Eine notwendige Kontroverse.

Zur Semesteranfangszeitung für das Wintersemester 2017/18.

Das aktuelle gemeinsame Flugblatt im Bündnis für Aufklärung und Emanzipation (BAE!):
Problemlösung gefragt. Frieden ist machbar.

Virtuell oder real?
Eine drängende Alternative

„Aber wie bezahlt man für Facebook? Ganz einfach, indem man es benutzt. Denn das Produkt, so stellt sich heraus, ist nicht Facebook. Der Deal ist ein anderer: Das Produkt ist der Benutzer. Man zahlt hier nicht mit Geld, man zahlt hier mit seinem Leben. Die Frage ist nur: Wusste es niemand? Oder wollte es niemand wissen? Anders gesagt: Wie mächtig ist die Kraft der Illusion oder der Dummheit, wenn doch sonst alles bezahlt werden muss in dieser Welt?
Alles kann zur Ware werden
Facebook zeigt das nur auf besonders radikale Art und Weise: Alles kann zur Ware werden. Freundschaften werden zur Ware, Erinnerungen werden zur Ware, Menschen werden zur Ware. Facebook ist damit, ganz freudianisch, das Es des rabiaten Kapitalismus. (...) Facebook muss und wird reguliert werden, so wie all die anderen Monopolisten des digitalen Zeitalters reguliert werden müssen, so wie es auch im ersten monopolistischen Zeitalter des zu Monopolen neigenden Kapitalismus war, im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.“

Georg Diez, „Facebook-Skandal/Die verlorenen Illusionen des Internets“, „SPIEGEL-ONLINE“, 25.3.’18.

 

„Wenn damals [vor 1933] die deutsche Intelligenz, alles, was Namen und Weltnamen hatte, Ärzte, Musiker, Lehrer, Schriftsteller, Künstler, sich wie ein Mann gegen die Schande erhoben, den Generalstreik erklärt, manches hätte anders kommen können, als es kam.“

Thomas Mann an Walter von Molo, 7. September 1945.

Von Beginn an oder mindestens im Verlaufe der Entwicklung war nicht nur den üblichen Kritikern (Nörglern) klar, daß die Milliarden des Mark Zuckerberg – auch von Google und Verwandten – aus der systematischen sowie gnadenlosen Vermarktung der Nutzerinnen und Nutzer bzw. ihren persönlichen Daten resultieren.

Auch lag schnell auf der Hand, wie wenig die Ansammlung von oberflächlichen elektronischen Kontakten von sozialem Gewinn, kultureller Qualität, geistiger Anregung und substantieller emotionaler Befriedigung sind. Vielmehr bedeutet die Ausweitung der flimmernden Begegnung eine Zunahme an individueller Isolation.

Darüber hinaus erweist sich immer mehr, daß die virtuelle Welt ausgedehnt von rechten Kräften – siehe die Wahlunterstützung für Donald Trump und Ähnliches – zu niederen Zwecken respektive gefährlichen Interessen, die gegen das Allgemeinwohl gerichtet sind, genutzt werden können und ebenso gnadenlos genutzt werden.

Nun sind die Beweise dafür eindeutig erbracht – jegliche Illusionen über die sogenannte Freiheit des Internets (an sich) sind wie der tönerne Riese zu Staub zerbröselt.

Somit steht nicht nur auf der politischen Tagesordnung, diese Konzerne entsprechend – wie Georg Diez, s.o., es fordert – staatlich zu regulieren, auch zu besteuern!, sondern es liegt auch nahe, sich heiter und guten Gewissens aus „Facebook“ zu verabschieden und stattdessen dem realen kulturellen Leben, den realen menschlichen Begegnungen, persönlich zuzuwenden.

Das kann und sollte praktisch bedeuten: länger schlafen, mehr lesen, sich mit Freunden treffen, mehr Zeit zum Nachdenken zu haben – und sich gesellschaftlich zu engagieren.

Die Entscheidung mag nicht schwerfallen.

Zu guter Letzt eine Anregung von jemandem, dessen Geburtsjahr 200 Jahre zurückliegt:

„Das Tier formiert nur nach dem Maß und Bedürfnis der species, der es angehört, während der Mensch nach dem Maß jeder species zu produzieren weiß und überall das inhärente Maß dem Gegenstand anzulegen weiß; der Mensch formiert daher auch nach den Gesetzen der Schönheit.“

Karl Marx, „ Ökonomisch-philosophische Manuskripte“ (1844), Marx-Engels-Werke (MEW), Ergänzungsband 1, S. 517.

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Jakobinersperling