Das aktuelle Flugblatt

An dieser Stelle wird das Flugblatt publiziert, das gerade an der Universität Hamburg auf den Mensatischen verteilt wird. Im Archiv finden sich alle vorhergehenden Flugblätter.

Zum letzten Flugblatt: Aufgeklärt. Wider den Populismus.

Zur Semesteranfangszeitung für das Wintersemester 2018/2019.

Das aktuelle gemeinsame Flugblatt im Bündnis für Aufklärung und Emanzipation (BAE!):
Wächst die Gefahr eines Atomkrieges? Bedrohung und Hoffnung.

Zeit der Gegensätze
Disput schafft Bewegung

„FAZ: Der Streit ist ein weiterer zentraler Begriff in ihrem Werk. Ist das eine metahistorische Regel, dass nur der Streit Gemeinwesen zusammenhält?
Meier: Ich weiß nicht, ob es eine Regel ist. Aber wenn sich vielerlei Probleme, vielleicht gar das einer ganzen Ordnung, stellen, so ist es wichtig, dass darüber nicht nur geredet, sondern auch gestritten wird, genauer: dass sich Alternativen zum Bestehenden bilden. Dadurch werden, wenn möglich, die Dinge klarer, es formieren sich Kräfte, die es direkt mit den kritischen Punkten aufnehmen können, via Reform oder Revolution. (...) Doch es kommt auch vor, dass sich in Krisen keine Alternative bildet. Dann ziehen die sich hin, dann sucht man sein Heil oft bei angeblich großen Männern. Denn Menschen mögen es nicht, dass sie (und ihr Gemeinwesen) wehrlos sind. Vieles ist heute sehr schwierig zu verstehen. Die Proletarier sind entweder bessergestellt oder sie gehen zur AfD.“

Der Althistoriker Christian Meier im Gespräch mit „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 16.2.2019, Seiten 11 und 13, hier Seite 13.

 

„Es hat etwas beruhigend Gewohntes. Die Sozis wollen einen neuen Sozialstaat. Nomen est omen. Der Wirtschaftsminister von der Ludwig-Erhard-Partei hält dagegen ‐ und fordert eine Höchstgrenze für Soziales. Ein bisschen so wie immer. Nur dass die Zeiten heute nicht gewöhnlich sind. Oder wie früher. Was eher für die etwas heillosen Versuche der Sozis spricht, als für die lustige Idee vom Herrn Altmaier, eine Obergrenze für Sozialabgaben ins Grundgesetz zu schreiben. (...)
Und in einer Zeit, wo in den genannten Ländern die Kehrseiten der einst hochgelobten wirtschaftsliberalen Reformen durchgeschlagen haben, etwa in Form dramatisch gestiegener Vermögens ‐ und Einkommensgefälle.“

Thomas Fricke, „Renten und Mindestlöhne / Endlich Sozialstart“, „SPIEGELONLINE“, 15.2.2019.

Mit einiger Gewißheit läßt sich sagen: Die „Erneuerung“/Rekonstruktion/Profilierung der SPD ist noch lange nicht abgeschlossen. Warum auch? Die dem Allgemeinwohl nützliche höhere Besteuerung der Vermögenden und Reichen, die bedarfsgerechte Entwicklung des Bildungs-, Kultur-, Gesundheits- und Sozialstaates, die Beendigung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr, das Verbot von Waffenexporten, eine neue Entspannungspolitik, die zivile Konfliktregulierung, eine Entwicklungshilfe mit angemessener Finanzierung und hilfreichen Projekten, faire Handelsbeziehungen, die Wiederherstellung des Asylrechts, Solidarität statt Rassismus und Geschichtsklitterung, ein humanes Menschenbild statt Schuldideologie der Einzelnen und eine kritische Anschauung der Realität stehen auf der politischen, sozialen und kulturellen Agenda der (internationalen) Gesellschaftsentwicklung.

Die Verwirklichung dieser positiven und nützlichen Vorhaben ist ohne konzeptionelle Kontroversen bzw. tiefgreifende Lernprozesse nicht zu haben.

Das gilt gleichermaßen für die Wissenschaften und ihre öffentlichen Einrichtungen. Gesellschaftliche Verantwortung ist mit scheinbarer Neutralität nicht zu realisieren. Ein Aufbruch in erweiterte Wirksamkeit ist erforderlich. Wissen sollte auch Veränderung schaffen.

Dieser praktischen Möglichkeit können sich Alle stellen: In der kritischen Meinungsbildung – mit der fängt Alles an! –, im neuen Mut für Diskussionen, im gesellschaftlichen Engagement, das über den Alltag und bloße Wahlentscheidungen (die nicht unwichtig sind) hinausgeht.

Der seriöse Disput ist dabei wichtig und bewegend. Nur so kann eine bedeutende Alternative gebildet und materiell wirksam erreicht werden. Auf diese Weise ist die menschliche Gestaltung der Gesellschaft respektive der Persönlichkeiten möglich. Tatsächliche Freude gehört zu den kulturellen Ergebnissen.

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Jakobinersperling